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Anschreiben Verlag Manuskript Beispiel Essay

9 Tipps für Nachwuchsautoren

Mara Laue ist professionelle Autorin. Sie schreibt Krimis/Thriller, Science Fiction, Okkult-Krimis, Dark Romance, Fantasy,Lyrik sowie Theaterstücken und bietet zudem Schreibkurse für Nachwuchsautoren an. In unserem Interview erklärte sie, dass in Deutschland nicht annähernd genug für Nachwuchsautoren getan würde und es zum Beispiel in den USA sehr viel einfacher möglich sei, dieses Handwerk zu erlernen. Freundlicherweise erteilte sie jungen Autoren neun Ratschläge für eine Erstpublikation, die uns wichtig und fundiert genug erschienen, um daraus einen separaten Artikel zu machen.

1. Schreiben ist ein Handwerk, das man wie jede andere Fähigkeit von der Pike auf lernen muss – egal wie -, wenn man Erfolg haben will. Und man muss es ständig üben, üben, üben, üben und weiter üben!!!

2. Bevor ihr euer Manuskript einem Verlag anbietet, lasst es unbedingt zuerst von einem möglichst neutralen Testleser, idealerweise mehreren lesen. Wir Autoren sind an unseren eigenen Texten „zu nah dran“, um ihre Schwächen erkennen zu können. Verwandte sind als Testleser allerdings denkbar ungeeignet, manche Freunde ebenfalls, weil sie in ihrer Beurteilung befangen sind. Die einen wollen uns nicht verletzen, indem sie ihre ehrliche Meinung sagen, wenn ihnen das Werk nicht gefällt, und loben es daher, auch wenn es gar kein Lob verdient. Andere wollen uns eins reinwürgen und zerreißen es verbal in der Luft.

Kleine Anekdote: Meine Mutter hat mir, als ich noch Kind/Jugendliche war, verboten, Heftromane zu lesen, weil die in ihren Augen „Schund“ sind – nicht dass sie je einen gelesen hätte! -, und wollte mich durch das Verbot zur „guten Literatur“ bekehren. Nicht dass ihr Verbot was genützt hätte, denn ich war sehr erfinderisch darin, die Hefte zu lesen, ohne dass sie das mitbekam. Heute schreibe ich Heftromane, und sie verschlingt jeden mit Begeisterung und ist des Lobes voll, weil ich sie geschrieben habe – trotz sogar für mich im Nachhinein erkennbarer Schwächen und dem einen oder anderen Fehler. Also versucht, neutrale Testleser zu finden.

3. Seid offen für konstruktive Kritik! Es nützt euch gar nichts, wenn ihr meint, dass euer Werk gut ist und ihr beleidigt reagiert, wenn jemand anderer Meinung ist. Von konstruktiver Kritik könnt ihr lernen! Ganz ehrlich: Wer keine Kritik vertragen kann, sofern sie nicht persönlich oder gar beleidigend ist, kommt als AutorIn nicht weiter.

4. Bevor ihr euer Manuskript einem Verlag einreicht, muss es ein paar Formalitäten erfüllen. Es muss als Normseiten formatiert sein in einer gängigen Schriftart mit dem Titel in jeder Kopfzeile und euren Kontaktdaten in der Fußzeile. Seitenzahlen nicht vergessen!

5. Erkundigt euch vorher unbedingt, ob euer MS ins Verlagsprogramm passt! Wer – überspitzt ausgedrückt – einem Kinderbuchverlag einen Krimi einreicht, darf sich nicht über eine Absage wundern. Leider ist dies einer der Kardinalfehler, die Anfänger begehen.

6. Findet durch einen Anruf bei den angepeilten Verlagen heraus, wer dort für euer Genre zuständig ist. Lasst euch mit der Person verbinden und fragt nach, ob man überhaupt auf der Suche nach neuen Werken ist. Der Anruf hat mehrere Vorteile.
a) Wenn ihr danach euer MS einreicht, könnt ihr euch auf das Telefonat beziehen und es ist deshalb keine „unverlangte Einsendung“ mehr.
b) Ihr erfahrt, ob ihr das MS per Post – wenn ja in welcher Form – oder als Mail-Anhang einreichen sollt. Wichtig: Sofern es der Verlag nicht anders verlangt, reicht ihr nur das Exposé und eine ca. 30-seitige Textprobe ein, das gesamte MS nur auf ausdrückliche Anforderung.
c) Ihr erspart euch Absagen und entsprechenden Frust, wenn der Verlag gar keine neuen Manuskripte haben möchte.

7. Erkundigt euch bei Profis, wie ein Anschreiben an einen Verlag aussehen muss. Beim initiativen Erstkontakt stehen nur Titel, Genre, Umfang nach Anschlägen drin und ein paar Sätze über euch. Der Inhalt steht ausschließlich im Exposé. Wer sein Werk anpreist à la „Dies ist das Buch, auf das Sie gewartet haben!“ oder ähnlich, kann sicher sein, dass es gar nicht erst gelesen wird, weil solche Äußerungen unprofessionell sind. Nebenbei: Ein Buch ist das fertig gedruckte und gebundene Ding, das in den Regalen steht. Was ihr einem Verlag einreicht, ist ausschließlich ein Manuskript.

Kleine Anekdote: Als ich in meiner Anfängerzeit einem Verleger schrieb: „Ich biete Ihnen mein Buch (...) an“, kam von ihm der Kommentar zurück: „Da Ihr Werk bereits ein Buch ist, wozu brauchen Sie noch meinen Verlag?“ Und er erklärte mir den Unterschied. Aber nicht jeder Verleger reagiert so humorvoll.

8. Wappnet euch mit Geduld! Jeder Verlag erhält im Durchschnitt 200 Manuskripte pro Monat; die kleinen Verlage weniger, die größeren erheblich mehr. Die Lektoren, die diese Manuskripte lesen sollen/müssen, haben auch noch andere Aufgaben als Manuskripte lesen. Bis euer MS gelesen wird, dauert es in der Regel mindestens 3 Monate und länger. Ich musste mal anderthalb Jahre auf eine Antwort warten. Oft erhält man aber gar keine Antwort. Das ist zwar unhöflich, aber leider nicht unüblich. Aus dem Grund reicht euer MS niemals nur einem einzigen Verlag, sondern mehreren gleichzeitig ein.

Übrigens: Im Verlag liest man als Erstes das Exposé. Wenn das nicht die Aufmerksamkeit des Lektors weckt, wird die Textprobe gar nicht gelesen. Euer Exposé/die Geschichte MUSS also interessant, logisch aufgebaut und in sich schlüssig sein. Beim Text selbst entscheiden die ersten 4 bis 5 Seiten, ob der Lektor weiter liest, denn für Profis werden die Fehler, die sich im Rest des Textes fortsetzen, schon auf diesen wenigen Seiten erkennbar. Deshalb muss euer Anfang wirklich gut geschrieben sein und darf auf keinen Fall einen Hauch von Langeweile aufkommen lassen.

9. Dies ist nach Punkt 1 der wichtigste Rat: Gebt niemals auf! Wenn Schreiben eure Leidenschaft ist, dann lasst euch niemals entmutigen und schreibt immer weiter, auch wenn ihr noch keinen Verlag für eure Werke findet. Manchmal liegt es daran, dass euer tolles Thema zurzeit nicht im „Mainstream“ liegt und sich deshalb nicht verkaufen ließe. Ein paar Jahre später hat es vielleicht bessere Chancen. Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Selbst ein nobelpreisverdächtiges Manuskript muss und wird er ablehnen, wenn für ihn ersichtlich ist, dass es keine Marktchancen hat. Ich habe von meinen ersten Schreibversuchen bis zur ersten bezahlten Veröffentlichung 21 Jahre warten müssen und bis zum Sprung in die Profiliga insgesamt 35 Jahre. Aber das Warten hat sich gelohnt!

An dieser Stelle noch eine Warnung: Veröffentlicht niemals bei einem sogenannten Druckkostenzuschussverlag! Wir Autoren werden für unsere Arbeit bezahlt. Niemals bezahlen wir dafür, dass jemand unsere Werke druckt! Keinen einzigen Cent. Einzige Ausnahme: Books on Demand für Liebhaberstücke. Aber wer zu oft bei BoD veröffentlicht, hat später kaum Chancen, bei einem Publikumsverlag unterzukommen. Die prüfen das nämlich nach.

Zum Schluss des langen Sermons: Ich wünsche allen NachwuchsautorInnen viel Glück und Erfolg und drücke euch ganz fest die Daumen!

Mara Laue, April 2012

Dies ist der vierte Teil meiner Serie: “Wie veröffentliche ich mein Manuskript?” Warum ist ein Anschreiben so wichtig vor allem wie schreibst du es?

Du hast dir eine Verlagsliste erstellt und dir ausgesucht, an welche Verlage du dein Manuskript schicken möchtest.

Das Erste was du für deine Unterlagen brauchst ist ein Anschreiben. Aber wozu eigentlich?

Zeit ist Geld

Im Gegensatz zu dem, was du vielleicht denken magst (zu dem, was ich am Anfang gedacht habe), wollen die meisten Verlage kein komplettes Manuskript zugesendet bekommen.

Stell dir das Mal vor: Dutzende und Hunderte von Manuskripten, die täglich beim Verlag eintrudeln, jedes einzelne davon um die 300 bis 600 Seiten stark (das ist ein ganzer Stapel Druckpapier pro Stück!). Wer soll das alles lesen?

Und vor allem: wann?

Wie lange brauchst du für einen 500-Seiten-Wälzer? Einen Monat? Eine Woche, wenn du dich beeilst? Einen Tag, wenn du nichts anderes machst? Das ist definitiv viel mehr als ein Lektor investieren kann. Schließlich besteht seine Hauptarbeit eben nicht darin, Manuskripte zu lesen, sondern sie zu vermarkten.

Wenn du dir ein Buch gekauft hast, dann kannst du meistens schon nach ein paar Seiten sagen, ob es dir gefällt und ob du es weiterlesen möchtest oder eben auch nicht. Einem Lektor geht es da ähnlich. Deshalb schickst du auch nur eine Leseprobe (Link folgt, wenn der Artikel steht).

Aber der Lektor würde sich natürlich in den Hintern beißen, wenn die ersten Seiten super sind, das Ende aber alles kaputtmacht oder in der Mitte ein Durchhänger klafft und er sich für nichts durch 600 Seiten gequält hat. Genau dafür gibt es das Exposé.

Und warum jetzt ein Anschreiben?

Natürlich könntest du auch einfach nur dein Manuskript einschicken und deine Schreibe für dich sprechen lassen (Achtung: mach das auf keinen Fall!). Aber mal ehrlich: Sprichst du gerne mit fremden Leuten, die nicht einmal den Anstand haben, sich vorzustellen?

Außerdem, ohne Anschreiben wüsste der Lektor doch gar nicht, was er mit deinem Manuskript anfangen soll. Möchtest du es seinem Verlag anbieten? Hast du schon einen Vertrag und das ist nur eine Revision? Willst du ihm lediglich vor die Nase halten, was an anderer Stelle längst verlegt wird? Oder beabsichtigst du, seinen Vorrat Feuermaterial für den nächsten Winter aufzustocken?

Dein Anschreiben ist das allererste (und im schlechtesten Fall auch das allerletzte), was ein Lektor von deinem Manuskript zu sehen bekommt. Es ist also (für dein Manuskript) überlebenswichtig, dass es ansprechend formuliert und gestaltet ist.

Natürlich kann es immer noch sein, dass der Lektor es überspringt. Wenn es Mist war, zu deinem Glück. Aber dann ist da noch der umgekehrte Fall, wenn der Lektor schon völlig entnervt vom Anschreiben ist und ein „Vielleicht-Manuskript“ nur wegen dieser Genervtheit auf den Abgelehnt-Stapel legt.

Selbstverständlichkeiten

Genau deshalb ist es absolut selbstverständlich, dass dein Anschreiben:

  • Frei von Rechtschreibfehlern ist.
  • Frei von Grammatikfehlern ist.
  • Keine Flecken, Knicke, Risse oder andere Makel aufweist.
  • So formatiert ist, dass es auch ein völlig übermüdeter Lektor bei schlechter Beleuchtung noch lesen kann.

Formalia:

Erst einmal zu den Äußerlichkeiten.

Länge

Dein Anschreiben sollte maximal eine Seite lang sein.

Dazu habe ich keine spezielle Quelle gefunden (überhaupt ist es sehr schwierig, allgemeingültige Regeln für solcherlei Dinge zu finden), aber zumindest denken Sylvia Englert in „So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript“ und Sandra Uschtrin im „Handbuch für Autoren“ genau so.

Außerdem ist es nur logisch, denn:

  1. Wie schon oben erwähnt: Zeit ist Geld.
  2. Alles, was wichtig genug ist, um ausführlich besprochen zu werden, gehört in andere Teile deiner Unterlagen (Exposé, Kurzvita etc.)
  3. Ein Anschreiben bzw. die Einsendung deines Manuskripts ist nichts weiter als eine Bewerbung um einen Job: dein Job als Autor beim entsprechenden Verlag. Und auch Anschreiben für „normale“ Bewerbungen sollten maximal eine Seite lang sein.

Ich hab sogar noch ein Zitat dazu gefunden:
Michael Krüger, Lyriker und Verleger des Hanser Verlages:
„Manche schreiben entsetzlich lange Briefe für ganz dünne Bücher. Da wundere ich mich immer. Schließlich muss ich ja sowieso das Manuskript lesen, um zu sehen, was es taugt, und wenn mir jemand schon die Deutung seines Buches erklärt, dann habe ich fast keine Lust mehr, mich weiter mit der Sache zu beschäftigen.“
(Quelle: „So finden sie einen Verlag für ihr Manuskript von Sylvia Englert“; S.51)

Formatierung

  • Weißes Papier
  • DIN-A4
  • Einseitig beschrieben (Rückseite leer)
  • Schwarze Schrift
  • Eine ganz langweilige Schriftart (Times New Roman, Arial)
  • Eine gut lesbare Schriftgröße (mindestens 11 Pt besser 12 Pt)
  • Ausreichend Zeilenabstand (mindestens einzeilig)
  • Linksbündiger Flattersatz

So kannst du sicher gehen, dass der Lektor dein Anschreiben nicht schon weglegt, weil ihm allein wegen der Formatierung bereits die Augen tränen.

Der Inhalt

In das Anschreiben gehört:

  1. Was du möchtest.
  2. Eine Begründung, warum sie es dir geben sollten.

Beziehungsweise:

  1. Du möchtest dem Verlag dein Manuskript anbieten.
  2. Ein Verweis auf das beiliegende Exposé und eine Erklärung, warum gerade du bzw. dein Manuskript so besonders ist und genau von diesem Verlag verlegt werden muss.

Aber das sehen wir uns natürlich im Detail an.

Formulierung

Du bist ein Schriftsteller, oder möchtest einer sein. Das sollte sich auch in der Formulierung deines Anschreibens niederschlagen. Abgesehen davon, dass Rechtschreibung und Grammatik stimmen sollen, muss es auch flüssig zu lesen sein. Die richtige Wortwahl ist ganz besonders wichtig.

Wenn ich sage, die Formulierung muss gut sein, dann meine ich damit nicht so sehr, dass sie ungemein ausgefallen oder anmutig sein soll. Aber es sollte:

  • deutlich werden, was du möchtest.
  • leicht zu lesen sein (z.B. keine Schachtelsätze).
  • die Dinge auf den Punkt bringen (so kurz wie möglich aber so lang wie nötig).

Außerdem solltest du immer selbstbewusst herüberkommen. Du möchtest dich selbst und dein Manuskript verkaufen. Wenn das schon beim Lektor nicht klappt, wie soll das dann erst in einem Buchladen funktionieren?

Wichtig ist auch, dass du dein Anschreiben niemals (ich wiederhole: niemals) von irgendwoher kopierst! Lektoren bekommen so viele Anschreiben zugesendet, dass sie solche Vorlagen sehr bald auswendig kennen. Hast du das Pech und dein Kopieren wird bemerkt, dann wird schnell angenommen, dass du es nicht einmal schaffst, eigenständig ein Anschreiben zu formulieren und dein Manuskript landet schneller im Papierkorb, als du sagen kannst „Aber ich hab doch gar nicht …

Denk dabei auch an den Lektor, der gerade wahrscheinlich schon siebzehn ähnliche Anschreiben gelesen hat. Du musst herausstechen, darfst aber nicht aufdringlich wirken. Klingt kompliziert, ist es auch 😛

Dein Anschreiben sagt viel über deine Person (ob beabsichtigt oder nicht). Nutze diesen Fakt zu deinem Vorteil!

Briefkopf

Hier gehört (rechtsbündig) dein vollständiger (echter) Name rein, samt Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Stell dir vor, der Verlag möchte dein Manuskript tatsächlich veröffentlichen. Was wäre ärgerlicher, als wenn er nicht weiß, wie er dich kontaktieren soll?

Beispiel:

Max Mustermann
Musterweg 12
12345 Beispielstadt
Tel.: 01234/567890
E-Mail: Max@Mustermann.de
www.Mustermann.de

Die vollständige Verlagsadresse (linksbündig) mit Abteilung und Ansprechpartner darf natürlich auch nicht fehlen.

Datum

Ort und Datum (rechtsbündig) sind ganz wichtig, damit der Lektor nach drei Wochen dann merkt „Oh, vielleicht sollte ich mir das Anschreiben doch langsam mal ansehen.“

Betreff

Nach dem Datum ist alles linksbündig.

Du kannst sogar „Betreff:“ vor den Betreff schreiben, soweit ich weiß ist das aber heutzutage kein „Standard“ mehr. Also einfach nur den Betreff in Fettschrift in eine neue Zeile.

Was im Betreff stehen soll? Eine scheinbar eindeutige Sache, trotzdem gibt es so viele Möglichkeiten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Sylvia Englert benutzt in ihrem Beispielanschreiben aus „So finden Sie einen Verlag für Ihr Manuskript“ den Betreff: „Manuskriptangebot“. Zu treffend, als das mir eine sinnvolle Alternative einfallen würde.

Ich würde den Betreff noch ergänzen, auf jeden Fall um das Genre des Manuskripts und eventuell würde ich auch noch den Arbeitstitel angeben (vorausgesetzt er ist nicht zu lang).

Generell so schlicht und kurz wie möglich (höchstens eine Zeile) und vor allen Dingen informativ. Denn: Wozu ist der Betreff da? Genau, er soll dem Lektor einen schnellen Einblick geben, was ihn erwartet.

Die Anrede

Ich habe im Teil „Den richtigen Verlag wählen“ bereits erwähnt, dass es wichtig ist, einen namentlichen Ansprechpartner zu finden. Das möchte ich hier wiederholen. Es zeugt von Engagement und sorgt für einen gewissen Grad von Vertrautheit zum Angeschriebenen, der sich nämlich direkt angesprochen fühlt.

Hast du schon mal Werbung bekommen, wo drin stand „Sehr geehrte Damen und Herren“? Ich nicht, ich werde in meiner Werbung immer persönlich angesprochen. Das ist ein bisschen Arbeit, aber die Herren Werbeexperten wissen, dass es funktioniert, sonst würden sie kein Geld dafür ausgeben. Und mal ehrlich: Würdest du dir nicht auch blöd vorkommen, wenn deine Freundin dir einen Brief schreibt mit einer anonymen Anrede?

Solltest du absolut keinen Namen ausfindig machen können und auch ein Anruf in der Telefonzentrale zu nichts führen, dann (und nur dann) schreibe „Sehr geehrte Damen und Herren,“.

Der erste Satz

Hier ist es ein bisschen wie beim Roman Schreiben, der erste Satz soll Interesse wecken und am besten schon einen Bezug zum Verlag herstellen.

Beispiele:

  • als Anlage sende ich Ihnen …
  • hiermit biete ich Ihnen …
  • da [Verlagsname] im Genre [Genrename] einer der Marktführer …
  • mit Interesse hab ich Ihr Angebot gelesen, Manuskripte einzusenden … (nur wenn das auch stimmt und unbedingt die Quelle nennen!)

Es gibt viele Möglichkeiten für einen ersten Satz. Du kannst – wie in den Beispielen – eher traditionell beginnen, du kannst erwähnen, wie du auf den Verlag gekommen bist, bzw. warum du gerade ihn angeschrieben hast, erklären, warum dein Manuskript zu ihm passt oder was daran besonders ist. Theoretisch kannst du sogar mit einer Frage anfangen.

Frag dich selbst „einfach„, was auch dann noch Interesse weckt, wenn der Lektor schon ganz matschig in der Birne ist, von all den anderen Anschreiben und Exposés, die er kurz vorher gelesen hat.

Vorstellung

Wer bist du eigentlich?

Name und (relevante) Tätigkeiten können hier aufgeführt werden. Wenn du eine Autorenvita beilegst (Link folgt, sobald der Artikel steht), kann dieser Teil besonders kurz gehalten oder sogar ganz weggelassen werden.

Schreibst du ein Buch, in dem das Paarungsverhalten südafrikanischer Schmeißfliegen eine plotrelevante Rolle spielt, darfst du erwähnen, dass du darüber eine Doktorarbeit verfasst hast. Spielt deine Geschichte in New York, ist ein fünfjähriger Aufenthalt dort interessant. In allen anderen Fällen lass beides weg. Es sind nur die Dinge wichtig, die dich dazu befähigen, deine Geschichte zu schreiben. Alles andere gehört nicht in ein Anschreiben.

Werdegang

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Was zeichnet dich aus? Was macht dich besonders? Was für Erfahrungen hast du im Schreiben? Fass dich kurz, aber mach deutlich, dass du weißt, wovon du sprichst.

Hast du einige Veröffentlichungen, kannst du auch hier auf die Kurzvita verweisen. Wenn es nur wenige oder nur kleine Veröffentlichungen sind und du deshalb keine Kurzvita schreibst, kannst du sie hier erwähnen.

Manuskript und Pitch

Natürlich musst du auch erwähnen, was das überhaupt für ein Manuskript ist, das du da einsendest.

Das kann eine Erklärung sein, warum du das Manuskript geschrieben hast, eine Einordnung in die Literaturlandschaft oder sogar eine Verknüpfung mit dem aktuellen Verlagsprogramm. Warum hast du gerade diese Idee verwirklicht? Was ist Besonderes daran? Warum sollte der Verlag es unbedingt veröffentlichen?

Bei solchen Fragen wird auch wieder einmal deutlich, warum du für jeden Verlag ein eigenes Anschreiben formulieren solltest. Die Antworten sind nämlich ganz offensichtlich immer unterschiedlich.

Ich persönlich finde es auch noch sinnvoll, wie H.P. Roentgen in seinem Buch „Drei Seiten für ein Exposé“ empfiehlt, einen Pitch einzufügen, also eine Zusammenfassung deiner Geschichte in einem Satz, die den Lektor neugierig machen soll. Zu mindest so sehr, dass er wenigstens in das Exposé, besser noch, in die Leseprobe hineinliest.

Ausblick

Ist bereits eine Fortsetzung in Arbeit? Wenn ja, kannst du dir überlegen sie zu erwähnen. Allerdings sollte ganz klar ersichtlich sein, dass das aktuelle Manuskript auch für sich alleine stehen kann.

Bei neuen Autoren gehen die Verlage natürlich immer ein Risiko ein. Wenn sich das Buch nicht verkauft, müssen sie die Möglichkeit haben einfach zu stoppen und damit trotzdem möglichst wenige Leser vergraulen. Gleichzeitig ist es viel Arbeit einen neuen Autor aufzubauen, und wenn alles gut läuft, ist es sicher gut für sie zu wissen, dass da noch mehr kommt.

Exklusiv?

Falls du das Manuskript nur an einen einzigen Verlag sendest (was eher unüblich und wegen der langen Rücklaufzeiten nicht zu empfehlen ist), solltest du erwähnen, dass die Zusendung exklusiv erscheint. Falls nicht, sag besser gar nichts dazu, niemand hat gerne das Gefühl, nur einer von vielen zu sein.

Wenn du dein Manuskript an Agenturen sendest, musst du auf jeden Fall dazu sagen, ob du die Geschichte vorher schon an Verlage geschickt hast. Die meisten Agenturen werden nur Manuskripte annehmen, die vorher noch kein Verlag gesehen hat (häufig meinen sie das, wenn sie um exklusive Zusendung bitten).

Verabschiedung

Hier folgt natürlich eine nette Grußformel, die nicht zu altbacken daherkommen sollte. „Mit freundlichen Grüßen“ reicht völlig.

Du kannst auch noch eine kleine Bitte anhängen, oder ganz selbstbewusst klar machen, dass du mit einer positiven Antwort rechnest. Das hängt aber ganz von dir und deiner Persönlichkeit ab.

Beispiele:

  • Bitte geben Sie mir baldmöglichst Bescheid, ob Ihrerseits Interesse besteht.
  • Bei Interesse rufen Sie mich gerne an. Sie erreichen mich unter [Telefonnummer]
  • Ich freue mich auf ein gegenseitiges Kennenlernen.
  • Ich freue mich, wenn mein Manuskript Ihre Zustimmung findet.
  • Über eine positive Antwort würde ich mich freuen.
  • Ich würde mich freuen, Ihnen das gesamte Manuskript zur Prüfung zusenden zu dürfen.

Unterschrift

Natürlich brauchst du noch ein bisschen Platz, um zu unterschreiben. Wenn es irgendwie geht, nimm blaue Tinte (also einen echten Füller), das macht was her. Wenn du keinen besitzt, verwende wenigstens einen blauen Kugelschreiber (so lassen sich Originale leicht von Kopien unterscheiden).

Benutze unter keinen Umständen so abgedrehte Farben wie rot, grün oder gelb. Zum einen lassen sie sich schlecht lesen, zum anderen gibt es da soweit ich weiß irgendwelche Regelungen (gibt es in Deutschland nicht für alles Vorschriften?), welche Position mit welcher Farbe unterschreiben darf, zumindest in der Schule war das so 😛

Darunter sollte dein Name auf jeden Fall noch einmal gedruckt stehen. Schließlich soll der Lektor den ja lesen können und sich im besten Fall merken.

Anhang

Als Letztes solltest du noch angeben, was genau du angehängt hast. Das ist nicht nur Usus, sondern erleichtert dem Lektor auch wiedermal die Arbeit, wenn der berüchtigte Windstoß vorbei kommt und er nicht so ganz sicher weiß, nach welchen Teilen er jetzt eigentlich suchen muss.

Anlagen:

  • Exposé
  • Vita
  • Leseprobe (20 Seiten)

Platz sparen:

Das Anschreiben sollte (wie oben bereits erwähnt) höchstens eine Seite lang werden. Wenn du ein bisschen wie ich bist, wird es dir schwerfallen, dich so kurzzufassen. Das sollte unter keinen Umständen auf Kosten der Lesbarkeit gehen (wie gesagt 11pt ist das absolute Minimum der Schriftgröße).

Allerdings kannst du wenigstens an einer Stelle ein bisschen sparen, nämlich im Briefkopf. Anstatt ihn, wie oben gezeigt, aufzusetzen, kannst du zumindest deine eigene Anschrift auch in die Kopfzeile packen (Abbildung s.u.). Et voilà, mindestens vier, wenn nicht sogar sechs Zeilen gespart.

Außerdem ist klar, dass nicht alle oben genannten Punkte in gebührender Länge Platz finden werden. Beschränke dich auf das, was wichtig ist, und lass ganz weg, was für dein Projekt irrelevant ist.

Fußzeile

Ich möchte dir empfehlen, zumindest den Arbeitstitel deiner Geschichte noch einmal in die Kopfzeile oder (wenn die schon mit deiner Anschrift belegt ist) in die Fußzeile deines Anschreibens zu packen. Dann ist für den Lektor auf einen einzigen Blick klar, was er da in Händen hält, ohne auch nur eine Zeile des eigentlichen Textes zu lesen.

Noch mal in kurz:

  1. Eigene Anschrift (rechtsbündig oder Kopfzeile)
  2. Verlagsadresse
  3. Datum (rechtsbündig)
  4. Betreff
  5. Anrede
  6. Erster Satz
  7. Vorstellung
  8. Werdegang
  9. Manuskript und Pitch
  10. Ausblick
  11. Exklusiv?
  12. Grußformel
  13. Unterschrift
  14. Anlagen
  15. Fußzeile: Arbeitstitel

Die Reihenfolge von Vorstellung, Werdegang, Manuskript/Pitch und Ausblick kann individuell noch variiert werden.

Du, du, du

Natürlich soll dein Anschreiben so perfekt wie irgendwie möglich zum Verlag passen. Deshalb ja die ganze Vorarbeit. Aber am Ende bist du es, der sich mit deinem Anschreiben auch wohlfühlen muss.

Entscheide also bei jedem Punkt selbst, wie weit du gehen möchtest. Wie selbstbewusst kannst du auftreten und dich immer noch gut dabei fühlen?

Nichts ist schlimmer als ein „Ach hätte ich doch …“, wenn dein Anschreiben abgelehnt wird (natürlich ohne Begründung, denn die zu schreiben würde Zeit kosten, die der Verlag lieber in angenommene Manuskripte investiert) und du dich damit nicht wohlgefühlt hast.

Also, es sollte auch immer ein bisschen „Du“ zwischen den Formalitäten des Anschreibens herausscheinen. Denn schließlich bist „Du“ Teil des Produkts, das du verkaufst.

Allgemein

Noch einmal: Nur wirklich relevante Dinge sollten im Anschreiben erwähnt werden und du solltest es so kurz wie möglich halten.

Das Anschreiben ist Werbung für dich!

Am Ende muss dem Lektor klar sein, was an deinem Manuskript besonders (gut) ist und warum jemand Geld dafür ausgeben würde, um es lesen zu dürfen. Auf jeden Fall muss er überzeugt davon sein, dass die Geschichte ins Verlagsprogramm passt.

Was nicht in ein Anschreiben gehört:

  1. Loblieder und Eigenlob. Z.B. „All meine Verwandten/Probeleser fanden die Geschichte toll“ oder „Sie halten hier Ihren nächsten Bestseller in den Händen.“ Das möchten der Lektor im Normalfall gerne selber entscheiden.
  2. Verzweiflung und Selbstzweifel egal welcher Art. Z.B. „Ich weiß, dass mein Manuskript noch verbesserungswürdig ist, aber …“ oder „Bitte, Sie müssen mich veröffentlichen, Sie sind meine letzte Chance.“ Das macht gar keinen guten Eindruck.
  3. Foto. Der Verlag verlegt ein Buch, keine Bilder und wenn möchte er die lieber selber schießen lassen.
  4. Aufzählung sämtlicher Kleinstveröffentlichung in irgendwelchen Lokalblättchen. Das klingt zu sehr nach Punkt 2 (nach Verzweiflung).
  5. Veröffentlichungen im DKZV oder BoD. Die zeigen nur, dass du dazu die finanziellen Mittel besitzt, machen aber keine Aussage über deine literarischen Fähigkeiten.

Menschen, die sich selbst verwirklichen wollen, gibt es wie Sand am Meer. Aber was einen Verlag – und damit einen Lektor – wirklich interessiert, sind Verkaufszahlen. Behalte das immer im Hinterkopf, wenn du dein Anschreiben und auch die anderen Teile deiner Unterlagen verfasst.

Achtung!

Natürlich kann ein Anschreiben so genial sein, wie es möchte, wenn das Manuskript mist ist, dann kann kein Anschreiben der Welt es veröffentlichen. All diese Tipps und Hinweise sind nur dafür da, um einem mittleren oder genialen Manuskript so gute Chancen wie irgendwie möglich zu verschaffen.

Diskussion

Hast du schon mal ein Anschreiben verfasst? Wie sah es aus? Wurde das zugehörige Manuskript angefordert? Wurde das Manuskript veröffentlicht? Würdest du das Anschreiben mit uns teilen?


Ich schreibe Bücher. Möchtest du mich auf meiner Reise begleiten? Möchtest du live dabei sein und mit mir jeden Schritt des Weges teilen? Mitfiebern? Mitlernen? Mitschreiben?